© Nicole Peters
Aktuell Soziale Plastik Malerei Kunst am Bau Kuration gARTen JuAt mobil Vita Kontakt
Denkmal für die jüdischen Einwohner Kalkars der Jahre 1930-1945 Als Grundfläche wird im Steinpflaster ebenerdig eine polygonale Betonfläche eingelassen, deren breitesten Stellen die Ausmaße 553 x 300 cm hat. In der Mitte ist eine Fläche von ca. 3,4 m² ausgespart. Hier liegt ein Pflanzbeet. Auf die Betonfläche werden 3 senkrechte, farbige Verbundglasplatten aufgestellt. Jede ist 140 cm breit und 210 cm hoch. Unter ihnen gibt es frostfreie Streifenfundamente aus Beton. Erde und Steine aus den letzten Lebens- und Sterbeorten der Vertriebenen oder Deportierten Kalkarer Juden wird im Pflanzbeet gesammelt. Hier werden Federgräser wie Stipa tenuissima angepflanzt. Sie geben dem Beet das ganze Jahr eine Struktur und Lebendigkeit, die mal grün, mal lohfarben sein wird. Sie werden bis 60 cm hoch, bewegen sich beim leichtesten Windzug und sind sehr ausdauern. Die Gräser kommen mit den natürlichen Wassermengen aus. Die Gräser verweisen auf das Lebendige und Bewegende, auf den Jahreslauf und damit auf den rhythmischen Lauf der Zeit. Nach Süden wird das Beet von einer goldfarbigen Verbundglasscheibe abgegrenzt (annähernd an Ral 1007), so dass bei Sonnenschein ein goldenes Licht über die Gräser bis zur gegenüberliegenden Verbundglasscheibe fällt. Alle Glasscheiben sind transparent bis transluzent. Die Farbigkeit erfolgt durch einen keramischen Druck auf die Glasplatten oder durch bedrucken der innenliegenden Folie. Nach Norden wird das Beet durch zwei Verbundglasscheiben abgegrenzt, die so parallel versetzt voreinander stehen, dass sie gemeinsam eine Fläche von 2,10 x 2,10 bilden. Die näher zur Straße stehende Scheibe ist rubinrot (annähernde Ral 3004), die andere ist purpurfarben (annähernd Ral 4003).   Die Glasscheiben werden nur in einer metallischen Bodenschiene verankert. Die Firma Glasline hat für dieses Verfahren geprüfte Statiken erstellt. Sie erklärt auf ihrer Internetseite, dass das Produkt sogar Ballsicher ist. Siehe dazu beiliegende Auszug aus dem Davento-Prospekt der Firma Glasline. Die Bodenschiene wird farblich der Glasplatte durch Bemalung angepasst. Während die rubinrote und die goldfarbene Glasscheibe einfarbig sind, ist in die purpurfarbene Glasscheibe Schrift integriert. Aus historischen Dokumenten sind die Unterschriften der deportierten oder vertriebenen Kalkarer Juden zu lesen. Diese Unterschriften sind wahrscheinlich die einzigen persönlichen Überreste, die wir von diesen Menschen haben. Darunter in klarer Druckschrift der Name, Berufs- bezeichnung, Straße, Hausnummer, Kalkar, Geburtsdatum, Sterbedatum (oder Jahr), Sterbeort, sollten sie ermordet worden sein, ist auch dies vermerkt. Nur Wohnstraße und Sterbeumstände würde den Menschen zu sehr auf das Unrecht reduzieren, welches ihm wiederfahren ist und weniger seine Funktion in der Gesellschaft vor 1930 deutlich machen. Goldene Farbe steht im Judentum als Symbol für das himmlische oder göttliche Licht. Rot steht im Judentum für den Menschen, aber auch für Gott in Form des brennenden Dornbusches. Sie steht aber auch für Sündenfall u. Blutopfer. Purpur ist eine sehr wertvolle Farbe, somit wurde diese gewählt um hier die historischen Fakten der ehemaligen jüdischen Mitbürger Kalkars aufzunehmen. Mischen sich in der Durchsicht die Farben Purpur u. Goldgelb, so bildet sich Pfirsichblüt, der Farbton der Handinnenfläche. Vor den rötlichen Scheiben nach Norden liegt ein Keil aus verschachtelt übereinanderliegenden Streichhölzern, welche aus Beton geformt sind. Die oberste Betonschicht ist mit Eisenoxidpigmenten gefärbt, so dass sich die für abgebrannte Streichhölzer typische Farbigkeit ergibt. Streichhölzer nutzt der Mensch zum Feuermachen. Sie stehen sowohl für das nützliche, wärmende und lichtspendende Feuer, wie auch für das vernichtende Feuer. Das Denkmal zeigt auf, dass noch so viel Gras über die Erde der letzten Lebensorte der ehemaligen Kalkarer Juden wachsen kann, so tun wir trotzdem gut daran uns gerade jetzt bei lauter werdender Fremdenfeindlichkeit immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass es unsere Entscheidung und unsere Verantwortung ist, wie wir „das Feuer“ nutzen – wärmend und lichtspendend oder vernichtend.
Wettbewerb Judendenkmal Kalkar
Modell Draufsicht
Fotomontage Nordansicht
Fotomontage Westansicht
Verteilung der 65 Personenfelder auf der purpur- farbenen Glasfläche
Layout eines Personenfeldes 15 x 15 cm mit original Handschrift der Person